Sonntag, 21. Februar 2016

Touristenvisum nach 90 Tagen verlängern in Venezuela Februar 2016

Aktualisiert: 21.02.2016

In den letzten Jahren hat sich das Verfahren zu der Verlängerung des Touristenvisums in Venezuela immer wieder geändert. Auch wenn sie die Gesetze nicht änderten, hat man immer wieder die Anwendung der Gesetze geändert. Für die Verlängerung des Touristenvisums nach 90 Tagen gibt es auch auf den Internetseiten der SAIME keine Angaben.
Da man mir im letzten Jahr in Caracas schon gesagt hatte, dass ich nun nur noch in dem Bundesstaat in dem ich wohne zur zuständigen Behörde gehen kann, habe ich mich schon einige Tage vor dem Ablauf des Visums auf den Weg gemacht.
Zunächst dachte ich, ich könne direkt in Mariara in dem neu eröffneten Büro der SAIME alles erledigen. Als ich dort ankam musste ich erst einmal feststellen, dass aufgrund von Energieeinsparungen die Öffnungszeiten nur noch von 7:30 bis 1:30 gelten. Ich war zwar um 1:15 am Tor, aber es war schon alles zu.

Meine Freundin hatte dort morgens angerufen und sagte mir ich müsse nach Valencia, entweder in San Diego oder in das Büro in "Los Colorados". "Los Colorados" liegt ganz im Norden von Valencia (Valencia I; Av. Carabobo c/con Montilla Truane, Edif. HCH, Jefatura Civi; Stadtteil Los Colorados.) und um dort hinzukommen muss man einen halben Tag durch den verstopften Verkehr. Abends wird es dann schwierig wieder nach Hause zu kommen. Rückfahrten werden nur bis ca. 16:00 angeboten. Dies seien im Bundestaat Carabobo die einzigen Büros, die das Touristenvisum verlängern würden.
Also bin ich nach San Diego gefahren. Dort gibt es aber mehrere Büros. Das erste im Big Low Center war es nicht. Zum Glück war das richtige Büro "nur" zwei Straßenecken weiter. Das zuständige Büro in San Diego, Valencia ist gleich neben dem alten Bürgermeisteramt (San Diego Valencia III Sede Vieja Alcaldia de San Diego, Avenida Don Julio Centeno. Parque Industrial Castillito, planta baja.). Wer aber bei der SAIME auf die dort abgebildete Karte guckt, findet dieses Büro falsch eingezeichnet in Valencias Innenstadt in der Nähe der Metrostation Michelena. Dort ist sie aber nicht! Wenn man im Büro der Saime im Big Low Center ist muss man nur wieder bis zur Hauptstrasse "Av. Intercomunal Don Julio Centeño" gehen und dann in Richtung Norden zwei Straßenecken weiter laufen. Es ist aber besser sich ein Taxi zu nehmen, so nah ist es nicht.



Die Karte muss etwas vergrößert werden (+), dann kann man den Eintrag der "Banco de Venezuela" in der Calle Este Oeste 102 sehen und dort wo der Eintrag "Contraloría Municipal de San Diego" zu sehen ist, befindet sich das Büro der SAIME (Valencia III)

Dort angekommen habe ich zunächst festgestellt, dass hier zurzeit die Öffnungszeiten von 7:30 bis 1:00 nachmittags gelten. Es hatten sich schon diverse Schlangen gebildet. In der Tür stand ein Mann, der jedem Auskunft erteilte und versuchte die Eingangstür halbwegs frei zu halten. Nachdem er meine Papiere und den Pass angesehen hatte, bildete ich die erste Person in der dritten Schlange die auf das Eintreffen der zuständigen Beamten warteten. Die sollten auf dem Weg vom Bundestaat Miranda sein.
Nach zwei Stunden Warten, bot mir jemand einen Sitzplatz an, denn ich dann in der dritten Stunde wieder nach Aufforderung ihn an die Schlange zur Abholung des Passes verlor. Die zuständigen Beamten waren immer noch nicht eingetroffen. Es hatten sich noch einige betagte Europäer eingefunden, die dann auch als erste in das Gebäude gebeten wurden. Ich dachte nach dreieinhalb Stunden man hätte mich vergessen und fragte den Mann am Eingang ob die Beamten denn nun eingetroffen seien? Er sagte, ich müsse noch warten, sie seien nicht eingetroffen, aber eine andere Beamtin würde sich der Sache annehmen.

Dann endlich konnte ich meine Fragen loswerden.
Gut dass ich mich entschieden hatte nochmal nachzufragen, welche Gebühren zu zahlen sind. Letzten Jahr habe ich noch 6 U.T. (Unidades Tributarias = Steuereinheiten) bei der Bank eingezahlt, diesmal waren es 15 U.T. Da gerade wieder die Steuereinheit auf 177Bs erhöht wurden, waren 2655Bs. auf ein Konto der SAIME einzuzahlen. Draußen hing ein Zettel mit den verschiedenen Bankdaten.
Ich wusste, dass man genau am Tag oder einen Tag vor Ablauf des Visums zur Verlängerung vorstellig werden soll. Im Gesetz steht, dass dies nach Ablauf von 90 Tagen der Fall ist, aber seit 20 Jahren war es immer so, dass das Einreisedatum nach drei Monaten galt. Aber auf meine Frage ob nun die 90 Tage gelten oder die drei Monate, wurde mir diesmal der darauffolgende Montag, also nach 90 gezählten Tagen genannt. Die Dame beriet sich per Telefon mit den zuständigen Beamten und so war auch mein Formular noch aktuell, das ich mir vor Jahren mal aus dem Internet runtergeladen habe und immer neu ausdrucke. Das Formular ist im Internet nicht mehr zugängig und wird sonst auch direkt von der Behörde ausgegeben.

Was nötig ist:
  • Kopie der Rückflugdaten/ticket
  • Kopie der ersten Seite des Reisepasses (die Seite mit dem Foto)
  • Kopie des Einreisestempels im Reisepass
  • Ausgefülltes Antragsformular davon später nach Eintragungen von der SAIME eine Kopie
  • ein Foto (besser man hat zwei dabei)
  • Einzahlungsbeleg bei der Bank über 15 U.T. zurzeit = 2655 Bs mit dem Namen des Einzahler, der man selbst sein muss! (Banküberweisungen [transferencias] werden nicht akzeptiert!
  • Ein Schreiben über die Motive der Verlängerung des Visum*
  • "Carpeta tamaño carta" (gelber Pappordner, Größe "carta"; engl. Letter)
Dieses Schreiben* über die Motive der Verlängerung war in den letzten Jahren gefragt, scheinbar wollen sie es in San Diego jetzt nicht mehr haben. Dieses Schreiben ist  "dirigido als ciudadano director Nacional de Control de Extranjeros" zu richten. Also wird nach der Überschrift der eben genannte Ausdruck so wie eine Anrede angegeben. Danach beschreibt man in einigen Sätzen warum man weitere drei Monate im Land bleiben will.

In San Diego steht vor dem Gebäude ein Kopierapparat, dort kann man seine Kopien anfertigen lassen.
Die nächste nahe gelegene Bank ist dann aber wieder in Richtung Big Low Center in der "Calle Este Oeste 102" in der Nähe des Busterminals. In einem kleinen Einkaufszentrum gibt es neben "Banco de Venezuela" auch die Bank "Bicentario", die ist aber auf der Karte nicht eingezeichnet. Bei der Banco de Venezuela habe ich dann, nach erneutem Schlange stehen (drei verschiedene Schlangen je nachdem was man machen will), den Betrag eingezahlt. Die Angestellte der Bank hat dann aber doch nicht meinen Namen auf den Beleg gedruckt und meinte ich solle die Daten selbst drauf schreiben. Das habe ich nun so gemacht und unterschrieben und hoffe so ist es gültig.
Es gibt noch die Möglichkeit mit einer Bankkarte direkt in der SAIME zu überweisen, aber bei meinen Bankkarten hat das nie geklappt. Wichtig ist, dass man selbst zahlt und nicht eine Überweisung von einer dritten Person durchgeführt wird.
Wichtig ist nicht die Bankverbindung für die Abholung von venezolanischen Reisepässen zu benutzen und nicht die speziell vorhandene Bankverbindung für Strafzahlungen (multa) zu verwenden.

Normalerweise gibt man seinen Reisepass mit den oben aufgezählten Unterlagen bei der SAIME ab und bekommt dafür ein Papier mit dem man gültig innerhalb des Landes solange reisen kann, bis die nötigen Stempel für die Verlängerung im Pass sind. In der Regel holt man seinen Pass dann einige Tage später ab. Manchmal klappt es auch am gleichen Tag an dem man die Unterlagen einreicht.







Donnerstag, 4. Februar 2016

Weißkehl-Faultier - Bradypus tridactylus - Pereza de tres dedos Guayanesa

Aktualisiert: 04.02.2016

Obwohl Faultiere in Venezuela recht häufig zu finden sind, habe ich sie früher immer nur ganz oben an einen Baum geklammert gesehen. So sahen sie aus wie ein großer Klumpen und waren von einem hoch gelegenen Termitennest häufig nicht zu unterscheiden.
Diesmal ist es gelungen. Bei La Horqueta im Delta Amacuro hing ein Weißkehl-Faultier an den Beinen vom Baum und kratzte sich genüsslich die Brust. Als wir mit dem Boot anhielten um es zu beobachten, kam aber doch eine erstaunliche Bewegung in das Tier, dass sich wieder hochzog und versuchte sich hinter den Blättern zu verstecken. Einen Blick zu uns inbegriffen.



Häufig sind sie beim Überqueren der Straßen zu sehen, dies führt aber auch regelmäßig zum Unfalltod der Tiere. Man kann sie aber vorsichtig unter den Achseln fassen und an den Straßenrand tragen.



Es folgt der Steckbrief:

Dienstag, 2. Februar 2016

Im Einbaum durch das Delta des Orinoco (Video) 27.04.2015

Aktualisiert: 02.02.2016
 
Das folgende Video zeigt eine Fahrt mit dem Einbaum durch einen kleinen Caño im Delta des Orinoko. Erkennbar ist das Niedrigwasser bei Ebbe.
 
 
 
video



Das Video ist vom 27.04.2015

Guayana-Brüllaffe - Alouatta macconelli - Araguato, Mono aullador

Aktualisiert: 02.02.2016

Der Guyana-Brüllaffe (Alouatta macconnelli) sind im Orinoco-Delta (Venezuela) sehr häufig zu sehen und zu hören. Insbesondere an den Ufern des Caño Manamo, ein im Verhältnis zu den anderen Caños breiter und viel befahrener Fluss halten sie sich regelmäßig auf. In kleineren Caños hört man sie zwar regelmäßig, bekommt sie aber kaum zu Gesicht. Sie sind nicht sehr scheu, sitzen aber meist hoch oben in einem Baum. Beobachtet man sie zu lange, verlassen sie ihren Standort. Die Warao im Delta essen diesen Affen nicht.

Guayana-Brüllaffe am Caño Manamo im Delta des Orinoco.

Dieses Jahr hatte ein Nachbar in Mariara, Carabobo einen noch sehr jungen, männlichen Brüllaffen. Woher dieser Affe stammte ist mir nicht bekannt. Aufgrund der dunkleren Fellfarbe könnte es sich um Alouatta seniculus handeln. Er wurde im Haus gehalten und die Besitzer ließen ihm noch, als nur wenige Monate alten Affen, die Eckzähne ziehen. Der kleine Brüllaffe besuchte die Nachbarn regelmäßig und da er noch sehr schmal war, passte er durch die Fenstergitter und kletterte so schnell in die Häuser. Er hatte auch gelernt die Türklinke zum öffnen der Tür zu benutzen oder die Fenster von außen aufzuschieben.

 


 
Ich habe ihn nie in die Wohnung gelassen. Unten im Haus ist er durch das Gitter der gerade ausgebauten Klimaanlage ins Schlafzimmer geklettert und als der Mann meiner Freundin vom Duschen kam, saß der Affe im Bett. In den Häusern benahm er sich eben wie ein Affe und zerriss wichtige Dokumente, schüttete Parfums aus oder leerte Cremedosen. Er war aber auch so zahm, dass er an sich anfassen ließ und an den Menschen hinaufkletterte. Mit der Zeit und dem Wachstum wurde er aber auch unberechenbar und biss dann plötzlich um sich. Trotz der fehlenden Eckzähne führte das zu Verletzungen. Das ist normal für ein Wildtier auch wenn es beim Menschen aufwächst.
Der Affe war hier in der Nachbarschaft gut bekannt und so ließ jemand den Affen mit im Auto fahren. Als der Affe dann ein kleines Mädchen während der Fahrt biss, warfen sie ihn aus dem Auto. Der Affe wurde dann auf der Autobahn überfahren.


Ich halte nicht viel davon, junge Wildtiere als Haustiere zu halten. Der Brüllaffe hätte nie wieder in die Wälder zurückkehren können, da ihm die Sozialisierung in der Gruppe der Brüllaffen fehlte. Er hatte von seinen Artgenossen nicht lernen können, welche Pflanzen essbar sind und vor welchen Feinden er sich schützen muss und wie. In Auseinandersetzungen mit Artgenossen hätte er sich aufgrund der fehlenden Eckzähne nicht adäquat verteidigen können.
Ein Freund aus Tucupita hatte jemandem einen kleinen Brüllaffen aus dem Delta abgekauft um ihn wieder in die Wildnis zurück zu lassen. Aber dieser Affe kehrte immer wieder zurück und wollte nicht in seinem ursprünglichen Habitat bleiben. Er hätte seine ursprüngliche Familie nicht mehr gefunden oder wäre von dieser oder einer anderen Gruppe nicht mehr akzeptiert worden.

 
Vor zehn Jahren kam eine kleine, wildlebende Familie von Brüllaffen aus dem Nationalpark "Henri Pittier" bis in den Randbereich des Flusses "La Toma" um Mangos der hier zahlreich wachsenden Bäume zu fressen. Hier sollte es sich aufgrund der Verbreitung um Alouatta seniculus gehandelt haben. Sie wurden von Jugendlichen getötet und angeblich gegessen. Danach kamen nie wieder Gruppen von Brüllaffen zum Mango fressen. Es mag auch sein, dass ihre Anzahl im Nationalpark inzwischen abgenommen hat.

was Humboldt zu den Brüllaffen sagte:
 (Beck, Hanno (Hrsg.)(2008): Alexander v. Humboldt - Werke. Darmstädter Ausgabe, 7 Bde. in 10 Tl.Bdn., ISBN 978-3534196913 Band II-2 Seite 107ff [de];  in [] spätere, erklärende Ergänzungen der Darmstädter Ausgabe und mir] )

...Ehe ich zur Darstellung der Llanos oder der Gegend der Viehweiden übergehe, will ich kurz den Weg beschreiben, den wir von Nueva Valencia [Valencia, Carabobo 10°10'58.1"N 68°00'12.0"W] durch Villa de Cura [Aragua, 10°02'09.0"N 67°29'10.3"W] und San Juan [vermutlich San Juan de Morros, Aragua 9°54'45.6"N 67°21'15.3"W] bis in das kleine, am Eingang der Steppen gelegene Dorf Ortiz [Ortiz, Guárico 9°37'11.3"N 67°17'19.5"W] zurücklegten. Am 6.März [1800], vor Sonnenaufgang, verließen wir die Täler von Aragua. Wir wanderten durch eine reich angebaute Ebene, längs des südwestlichen Gestades des Valencia-Sees über den von seinem Wasser trocken gebliebenen Boden [heute ist der Valencia-See durch Umbauten mit so viel (Ab-)Wasser gefüllt, dass er über die Ufer getreten ist und Gebäude überflutet hat] und konnten nicht genug die Fruchtbarkeit des mit Flaschenkürbissen, Wassermelonen und Bananen bebauten Terrains bewundern. Den Aufgang der Sonne verkündete der ferne Lärm der Brüllaffen. In der Nähe einer Baumgruppe, die zwischen den ehemaligen Inseln Don Pedro und Negra [?] steht, sahen wir zahlreiche Banden Araguaten-Affen [Alouatta spp.], die gleichsam prozessionsartig, extrem langsam von einem Baum zum anderen übergingen.